Mein Weg zu Feingefühl - Pferd

Zoe Fröhlich
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Schon als Kind war ich auf der Suche nach mehr Tiefe und echter Verbindung in meinem Leben. Im alltäglichen sozialen Miteinander fühlte ich mich oft allein und unwohl. Ich war schüchtern und zurückhaltend, doch draußen in der Natur fühlte ich mich frei und lebendig. Dort war so etwas wie Magie spürbar und ein Gefühl des Angenommenseins entstand – ebenso im Zusammensein mit den Tieren. Vor allem die Pferde faszinierten mich: die Stärke und Präsenz, die sie ausstrahlen, ihr Sanftmut und ihre unvergleichliche Schönheit.
Ich wollte diesen Wesen nah sein und ihre Sprache sprechen.
Mit etwa sechs Jahren durfte ich Unterricht in einer Reitschule nehmen und somit begann der klassische Weg eines pferdeverrückten Mädchens. Unter herrischem Kommando lernte ich also brav, auf den gutmütigen Ponys in der Abteilung zu reiten. Irgendwann jedoch verlor ich die Freude daran – der Umgang war hart, funktional und ohne Gefühl. Ich spürte das Leid der Pferde und stellte mir früh die Frage:
„Gibt es nicht einen anderen Weg?“
Meine Mutter teilte mein Interesse an den Pferden und unterstützte mich stets auf diesem Weg. Wir landeten bei den damals prägenden Vertretern des Natural Horsemanship wie Pat Parelli, Monty Roberts, Mark Rashid und Co. Wir hatten gemeinsame Reitbeteiligungen und nahmen Unterricht, sodass wir tiefer in die Materie der Bodenarbeit eintauchen und mit verschiedenen Pferden praktizieren konnten.
Als ich zwölf Jahre alt war, erfüllte sich der große Traum: mein eigenes Pferd – ein drei Monate altes, von der Mutter getrenntes, verlassenes kleines Fohlen. Ich nannte sie Zaina, die Königin der Pferde. Sie sollte mich nun die nächsten 20 Jahre meines Lebens begleiten und meinen Weg für immer prägen.
Wir erkundeten gemeinsam die Welt, zu Fuß und mit dem Fahrrad, immer querfeldein. Unsere Verbindung entstand in Leichtigkeit. Da waren viel Freude und Mut sowie der Wille, zu entdecken und gemeinsam zu erleben. Da war immer die große Vision, sie in Freiheit zu reiten. Ich wusste, sie würde mich tragen, ganz ohne Zweifel – und das tat sie bis zum Schluss.
Sie trug für mich auch all den Kummer mit, der mich bedrückte, als meine Eltern sich scheiden ließen, ebenso die Lasten, die das Teenageralter und die Schulprobleme mit sich brachten. War ich bei ihr, konnte ich aufatmen. Gleichzeitig trug ich als ihre Begleiterin nun auch eine große Verantwortung, die mich sehr forderte.
Unterwegs – drei Monate zu Fuß mit Pferd und Hund
Mit 19 Jahren verwirklichte ich einen weiteren Traum: Gemeinsam mit Zaina und meinem Hund machte ich mich zu Fuß auf eine dreimonatige Reise quer durch Deutschland. Wir lebten draußen und liefen Tag für Tag nebeneinander, immer in Richtung Norden. Zaina trug mein Gepäck. Nachts blieb sie selbstverständlich in meiner Nähe – der Zaun wurde überflüssig.
Diese Wanderung zeigte mir, wie sicher und wahrhaftig unsere Beziehung bereits war. Wir waren frei und ließen uns vom Leben führen. Wir bewältigten so viele Herausforderungen, auf die wir uns niemals auf dem Reitplatz hätten vorbereiten können. Ich fand in diesen Monaten sehr viel Selbstvertrauen und fühlte mich immer wohler in mir und in meinem Körper.
Diese Reise verschaffte mir einen Zugang zu dem Gefühl, gehalten und umsorgt zu sein. Ich hatte alles, was ich brauchte: verbunden mit dem Land und meinen Tieren, ganz im eigenen Rhythmus. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung. Dennoch brauchte es noch einige Umwege, bis ich dem Ruf folgte, dieses Gefühl in mir zu kultivieren.
Lernen und Verlieren – Ausbildung und Selbstzweifel
Ende 2016 zog ich nach Hamburg und vergaß vorerst wieder all das, was mich meine Reise gelehrt hatte. Stattdessen beschäftigte ich mich mit ganz anderen Dingen. Ich jobbte unter anderem in der Gastronomie des Hamburger Nachtlebens. Mich umgaben wenig Natur und keine Tiere. Zaina verbrachte diese Zeit auf dem Hof einer Freundin, da ich sie mit meinem damaligen Leben nicht vereinen konnte. Erst nach eineinhalb Jahren in der Großstadt holte ich Zaina zu mir zurück.
2019 machte ich eine Trainerausbildung im Natural Horsemanship und widmete mich wieder voll und ganz den Pferden. Ich richtete mein Leben wieder nach meiner Stute Zaina aus. Ich begann, Menschen zu unterrichten und Pferde auszubilden.
Mit der Zeit verbesserte sich meine Technik, jedoch wurde ich im Training auch mechanischer und arbeitete mit zu viel Druck. Die Leichtigkeit und Intuition im Umgang mit den Pferden waren mir zeitweise abhandengekommen. Statt Beziehung regierten wieder Konzepte und Erwartungen, was mich demotivierte und in Selbstzweifel stürzte.
Ich war zu dieser Zeit sehr auf der Suche, fühlte mich orientierungslos und in mir gefangen. Ich wusste nicht, wie ich eine Verbindung zu mir aufbauen sollte, um das Vertrauen wiederzufinden, das mich in der Beziehung zu meiner Stute Zaina immer getragen hatte. Ich spürte deutlich, dass etwas in meinem Leben nicht stimmte.
Es gab nur selten verbundene Momente mit den Pferden. Ich verwehrte mir durch meine eigenen Vorstellungen den Zugang dazu. Ich begann, mich immer stärker gegen das ungute Gefühl in mir zu wehren und davor wegzulaufen. Ich war noch nicht bereit, zu fühlen, was in mir lag. Meine Stute Zaina spiegelte mir das sehr deutlich. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich immer wieder und unsere Beziehung war sehr entfremdet.
Ich setzte alles auf Veränderung im Außen, in der Hoffnung, die Lösung läge darin. So traf ich Entscheidungen, die mich in die völlige Überforderung katapultierten – bis hin zu mentaler Erschöpfung und Angstzuständen. Das kam so …
Chaos und Wandel
Mit 25 wurde ich Mutter. Wir zogen auf den eigenen Hof – ein großes Abenteuer. Doch die Freude war erst einmal nur von kurzer Dauer, denn mit diesen Schritten hatte ich mich in Verantwortungen gebracht, denen ich mich keineswegs gewachsen fühlte. Nun war ich gezwungen, diese auch für mich selbst zu übernehmen. In mir drängten sich große Fragen auf:
Wer bin ich? Was will ich wirklich? Was zeigen mir die Pferde? Was ist mein Weg?
Neben meiner neuen Rolle als junge Mama, dem Baustellenleben und den vielen unbeantworteten Fragen und ungelösten Themen in meinem Inneren praktizierte ich weiterhin als Natural-Horsemanship-Trainerin. Ich beschäftigte mich aber auch mit anderen Lehren, wie zum Beispiel der akademischen Reitkunst und der Zirzensik, begann mit Seminaren von Alexandra König zum Thema „Chi Horsing“, durchforstete Bücher von Maksida Vogt zur natürlichen Haltung und Ernährung von Pferden und hinterfragte die Pferdewelt und mich selbst immer weiter. Ich wollte wieder mehr Gefühl und Harmonie in mein Leben bringen. Ich experimentierte, probierte Neues aus und ließ Altes weg.
Dadurch, dass die Pferde nun bei mir am Haus lebten, verbrachte ich viel Zeit bei ihnen, ohne mit ihnen zu arbeiten. Ich verlangsamte alles – gezwungenermaßen.
In mir wurde es immer unruhiger und enger. Der Rückzug in die Natur, das Zusammensein mit den Tieren und mein forderndes Töchterlein zeigten mir deutlich, dass es an der Zeit war, mich liebevoll mir selbst zuzuwenden. So konnte ich gar nicht anders, als mich den Umständen demütig hinzugeben und mich für den inneren Wandel zu öffnen.
Die Pferde wurden mir immer mehr zum Spiegel. Ich sah mich selbst – in meinen Mustern, Ängsten und Erwartungen. Und ich begann, Stück für Stück loszulassen. Es war sehr schmerzhaft und konfrontierte mich mit vielen Ängsten und unschönen Wahrheiten. Großes Chaos, das neu geordnet werden durfte.
Die Beziehung zu mir selbst rückte durch viel Zeit allein mit mir immer weiter in den Mittelpunkt. Ich wurde stiller, erwartungsfreier und aufmerksamer. Das Miteinander mit den Pferden und den Menschen begann sich zu wandeln. Das Gefühl und die Bedeutung, die in den Begegnungen lagen, bekamen wieder Raum.
Innere Heilung und wahrhaftige Beziehung beginnen dort, wo wir bereit sind, ehrlich hinzuschauen. Nicht beim Gegenüber – sondern bei uns selbst.
Feingefühl als Haltung
Ich bin nun 30 Jahre alt und befinde mich zwar noch immer in dem Prozess, Ordnung zu schaffen, doch ich traue mich zunehmend, mir selbst zu begegnen und im Kontakt mit dem, was mich umgibt, zu forschen. Meine Wahrnehmung wird feiner und meine Aufgaben im Leben werden ersichtlicher.
Die Arbeit mit den Pferden und Menschen draußen in der Natur bereitet mir große Freude. Ich tue das aus Liebe und Dankbarkeit für die Pferde und sehe es als meinen Dienst an der Welt. Frieden zwischen Mensch, Tier und Natur ist ein Zustand, an den ich glaube.
Ich glaube an eine Welt, in der Beziehung wichtiger ist als Leistung. In der wir, genau wie unsere Pferde, nicht „funktionieren“ müssen, sondern uns echt zeigen dürfen. In der Fehler gemacht werden dürfen, um an ihnen zu wachsen.
Ich begleite dich, wenn du bereit bist, genauer hinzuschauen und zu spüren. Wenn du deinem Pferd zuhören willst. Und wenn du dich aufmachen willst – zu mehr Freiheit, mehr Verbindung und mehr Lebendigkeit.


